Welche Winterreifen passen zu welchem Fahrprofil?
Am wichtigsten ist die Nasshaftungsklasse auf dem EU-Label, nicht die Tiefe des Profils. Ein Schweizer Winter bringt weit mehr nasskalte und regnerische Tage als Tage mit geschlossener Schneedecke, und genau darauf reagiert der Reifen mit seiner Bremswirkung auf nasser Strasse am direktesten. Das eigene Fahrprofil entscheidet, welche Eigenschaft im Einzelfall den Ausschlag gibt.
- Pendeln im Mittelland: Die Nasshaftungsklasse zählt hier am meisten.
- Regelmässige Alpenpässe: Alpine-Symbol und gute Nasshaftung gemeinsam.
- Gelegentliche Bergfahrten: Alpine-Symbol mit ausgewogenem Gesamtprofil.
- Vorwiegend Stadtverkehr: Nasshaftung und niedriges Rollgeräusch.
Pendeln im Mittelland
Wer werktäglich zwischen Wohnort und Arbeitsplatz im Flachland unterwegs ist, hat es selten mit tiefem Neuschnee zu tun, dafür häufig mit nasser, kalter Fahrbahn im Morgengrauen und mit Blitzeis nach Frostnächten.
Für dieses Profil zählt vor allem die Nasshaftungsklasse (Wet Grip) auf dem EU-Label: Sie beschreibt den Bremsweg auf nasser Fahrbahn und damit genau die Situation, die im Mittelland am häufigsten vorkommt.
Eine gute Klasse in diesem Wert reduziert den Bremsweg spürbar gegenüber einer schwächeren Klasse, unabhängig von Marke oder Preis. Rollwiderstand (Kraftstoffeffizienz) lohnt sich hier ebenfalls im Blick zu behalten, weil Pendlerstrecken sich über das Jahr zu einer hohen Kilometerleistung summieren.
Ein verbreitetes Beispiel ist die Grösse 205/55 R16: Auch hier unterscheidet sich die Nasshaftungsklasse deutlich zwischen den Modellen, unabhängig vom Preis.
Regelmässig über Alpenpässe
Regelmässige Passfahrten stellen andere Anforderungen: Neben der Nasshaftung zählt vor allem eine gesicherte Wintereigenschaft auf Schnee und Eis. Das Alpine-Symbol, die stilisierte Bergspitze mit Schneeflocke (3PMSF), ist hier der entscheidende Hinweis: Es bestätigt, dass der Reifen einen definierten Mindestwert an Traktion auf Schnee erreicht, geprüft nach einem genormten Verfahren.
Ein Reifen ohne dieses Symbol, selbst mit M+S-Kennzeichnung, hat diese Prüfung nicht durchlaufen. Für Passstrecken mit häufigem Wechsel zwischen Schnee, Schneematsch und nasser Fahrbahn empfiehlt sich ein Reifen, der sowohl das Alpine-Symbol trägt als auch in der Nasshaftungsklasse gut abschneidet, weil auf den unteren Passabschnitten oft schlicht Regen statt Schnee liegt.
Gelegentliche Bergfahrten
Für gelegentliche Fahrten in höhere Lagen, den Rest des Jahres im Flachland, ist kein spezialisierter Bergreifen nötig. Ein Winterreifen mit Alpine-Symbol und solider Nasshaftungsklasse deckt beide Situationen ab.
Wichtiger als eine Spezialisierung auf extreme Schneebedingungen ist hier ein ausgewogenes Profil: gute Bremswirkung bei Nässe für die meisten Fahrten im Jahr, ausreichende Schneetraktion für die seltenen Ausnahmen.
Wer sehr selten und nur bei stabilem Winterwetter in die Berge fährt, kann auch mit einem Ganzjahresreifen mit Alpine-Symbol auskommen, sollte dann aber die Nasshaftungsklasse genau prüfen, weil Ganzjahresreifen bei reinen Winterbedingungen im Schnitt hinter einem dedizierten Winterreifen zurückbleiben.
Vorwiegend Stadtverkehr
In der Stadt dominieren kurze Strecken, viel Stop-and-go und häufiges Bremsen vor Ampeln und Kreuzungen, oft auf nasser oder feuchter Fahrbahn. Auch hier ist die Nasshaftungsklasse der wichtigste Einzelwert, weil sie unmittelbar den Bremsweg im Stadtverkehr beeinflusst.
Der externe Rollgeräuschwert lohnt sich für Stadtfahrerinnen und -fahrer zusätzlich zu beachten: Ein Reifen mit niedrigerem Geräuschwert (weniger Balken auf dem Label) macht sich beim Fahren durch Wohngebiete und bei tiefer Geschwindigkeit bemerkbar.
Extreme Schneetraktion spielt in der Stadt eine kleinere Rolle als auf offener Strecke, da Strassen im urbanen Raum meist zuerst geräumt werden. Das Alpine-Symbol bleibt trotzdem sinnvoll, weil auch in der Stadt Blitzeis und Schneematsch vorkommen.
Was für alle vier Profile gilt
Das EU-Label liefert drei geprüfte Werte: Kraftstoffeffizienz, Nasshaftung und externes Rollgeräusch. Diese Werte sind bei jedem Modell auf der Produktseite hinterlegt und stammen aus den Herstellerangaben und dem europäischen Produktregister EPREL. Modelle vieler Hersteller im Marken-Überblick, etwa von Continental oder Michelin, tragen diese drei Werte ebenso auf dem Label.
Sie sagen nichts über Schneetraktion aus, dafür ist ausschliesslich das Alpine-Symbol massgeblich. Wer sein Fahrprofil kennt, kann diese beiden unabhängigen Angaben gezielt kombinieren, statt sich auf eine pauschale Kategorie wie "Winterreifen" zu verlassen. Wie sich die drei Labelwerte im Detail lesen lassen, erklärt der Beitrag Reifenkennzeichnung richtig lesen.
Winterreifen mit Alpine-Symbol und aktuellen EU-Labeldaten finden Sie im Winterreifen-Sortiment.